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Wir wollten's wissen

Wie le­ben Les­ben, Schwu­le und Trans­gen­der in Schles­wig-​Hol­stein? Ob hin­term Deich, in­mit­ten der Hü­gel Ost­hol­steins, im Um­land der Me­tro­pol­re­gi­on Ham­burg, auf der Hal­lig oder auf der Geest - wir wollten es wis­sen. Und wir wollten wis­sen, was Eu­re Ge­mein­de tut, da­mit Ihr freund­li­che Plät­ze in­mit­ten der Ge­sell­schaft fin­det.

139 Menschen aus dem Kieler Umland (über 70%), Schleswig-Holstein, aber auch aus Hamburg, Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und dem restlichen Bundesgebiet nahmen an der Umfrage teil. Die Hälfte von ihnen lebt in Städten mit mehr als 100‘000 Einwohnern und ist zwischen hauptsächlich zwischen 19 und 55 Jahre alt.

Das Klima im Land wird als neutral bis gut eingestuft, die Akzeptanz ähnlich, mit leicht abnehmender Tendenz. Ein Outing im Freundeskreis ist heut kaum mehr ein Problem, in der Familie eigentlich auch nicht. Wohingegen die Arbeitsstelle und die Religionsgemeinschaften, sofern besucht, noch eine große Hürde darstellen.

Allerdings treten Diskriminierungen und Gewalterfahrungen zwar selten aber dann in erster Linie in der Familie und der Religionsgemeinschaft auf, die Spannbreite von Mobbing bis Vergewaltigung zu fassen.

„Ermäßigungen für lesbisch-schwule Familien?“

Gerade in den größeren Städten wie Kiel, Lübeck, Flensburg und Hamburg gibt es gefühlt genug Angebote für Schwule, Lesben und Transgender, vor allem die Beratungsstellen sind gut über das Land verteilt und erreichbar.

Dennoch fehlt es den Menschen im Land an weiteren Beratungsstellen, Jugendgruppen, Coming-Out-Gruppen, Partys, Kneipen, Cafes und Kultur, sowie Ansprechpartnern in Ämtern. Und bei einer zumutbaren Entfernung der Angebote vom Wohnort von unter 5 bis über 60 km, respektive einer Anreisezeit von unter 20 bis über 60 Minuten ist es oft vor allem aus den ländlichen Regionen nicht möglich, Angebote in größeren Städten (regelmäßig) aufzusuchen.

„War lange in der SV aktiv und kann mich gut daran erinnern, wie in der Schulkonferenz das Lesbischsein einer Lehrerin auf üble Weise, die mensch heute als Mobbing bezeichnen würde, thematisiert wurde.“

Die Arbeitssituation der teilnehmenden Menschen ist hauptsächlich die von Schülern/Studenten, Angestellten, Arbeitslosen und -suchenden, sowie Rentnern, die mit einem Einkommen von monatlich unter 800 bis ca. 1400 Euro leben. Dazu kommt, dass die meisten Teilnehmer an ihrem Arbeitsplatz aus Angst vor Diskriminierung nicht geoutet sind, sich jedoch ein Klima wünschen, in dem dies möglich wäre.

„Man kann keine Unterstützung bekommen, wenn man keine verlangt. Warum aber zum Vertrauenslehrer gehen, nur  weil einige meinen, dass Homosexualität eine psychische Krankheit ist?“

Die Situation an Schulen hat sich in den letzten 15-20 Jahren verbessert, ist aber immer noch nicht gut. Häufig sind die Lehrkräfte gerade im Sexualunterricht mit der Thematik „Homosexualität“ überfordert und das Thema wird einfach ausgespart, „Schwule Sau“ ist eines der beliebtesten Schimpfwörter auf deutschen Schulhöfen.

Eine zweite Serie von über 1000 Umfragen schickten wir im Herbst 2009 an die Gemeinden und Städte im Land - mit beschämendem Resultat. Knapp 1% kamen, teils unausgefüllt, zu uns zurück.

Uns hat die Umfrage gezeigt, dass lesbischwules Leben in Schleswig-Holstein auf einem guten Weg ist, doch dass es bestehender Angebote bedarf, um flächendeckend im Land wirken zu können.

Dass sich das Klima gesamtgesellschaftlich stark gebessert hat, dass der Teufel jedoch weiterhin im Detail steckt, dass es noch zu viele „Einzelfälle“ gibt, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zum Teil massive Gewalt erfahren oder dauerhaftem Mobbing ausgesetzt sind. Eine große Unbekannte im Land sind die Ämter, Ansprechpartner der Kommunen und der Polizei.

Es ist bereits viel getan, viel bleibt noch zu tun.

Zum Nachlesen: Die Ergebnisse

Auswertungsheft "Wir wollen's wissen" (1,6 MiB)
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